Perspektive ist ein thematisches Filmfestival. Es ist das erste in Deutschland, das sich dem Thema Menschenrechte widmet. Perspektive ist das Forum für hervorragende Spielfilme, Dokumentar- und Animationsfilme, die Menschenrechtsthemen berücksichtigen.
Perspektive ist ein Fenster zur Welt, das in Nürnberg, in dem engagierten Umfeld der „Stadt des Friedens und der Menschenrechte“, ein hochwertiges internationales Programm präsentiert.
Perspektive findet in zweijährigem Turnus im Monat Oktober anschließend an die Verleihung des Internationalen Nürnberger Menschenrechtspreises statt. Im Jahr 2009 wird ihn Abdolfattah Soltani erhalten, der sich mit bewundernswertem Mut und unter hohem persönlichen Risiko für die Anerkennung der Menschenrechte in der „Islamischen Republik Iran“ einsetzt. Ihm zu Ehren präsentiert perspektive eine Sonderreihe mit Filmen aus/über den Iran.
Die Anerkennung der Rechte und der Würde des Menschen bildet die Grundlage der Freiheit, der Gerechtigkeit und des Friedens in der Welt. In diesem Sinne soll Perspektive zum gegenseitigen Verständnis beitragen, Toleranz und Freundschaft zwischen den Völkern und allen ethnischen oder religiösen Gruppen fördern. Hier erhebt das Festival internationalen Anspruch, ergreift jenseits aller religiösen, politischen und kulturellen Schranken Partei gegen Versuche, Menschen zu „Menschen zweiter Klasse“ zu machen. Perspektive erstrebt eine Stärkung der Menschenwürde, der Humanität und Solidarität und fördert das gegenseitige Verständnis sowie eine wechselseitige Kommunikation. Perspektive unterstützt den Gedanken der Völkerverständigung und der individuellen Verantwortung gerade zu Zeiten der Globalisierung und der Religionskonflikte. Ziel ist es, durch das Medium Film breiteren Bevölkerungsschichten das Thema Menschenrechte näher zu bringen.
Perspektive will deshalb einen möglichst genauen Blick auf aktuelle Entwicklungen in den Kulturen der Welt werfen. Wissen fördert Abstraktionsvermögen und Interesse. Erst wenn man sich „ein Bild machen kann“, beginnt man, sich für etwas Anderes als die eigene unmittelbare Umgebung zu interessieren und „das Fremde“, d.h. andere Menschen und ihre kulturellen, politischen und sozialen Zusammenhänge zu verstehen. Aus dieser Information übereinander soll schließlich Kommunikation miteinander erwachsen.
Perspektive vermittelt Einsichten in die grundlegenden Menschenrechte und Werte, auf denen unsere Gesellschaften basieren. Das Festival unterstützt die Menschenrechtsbildung und die lokale und globale Verantwortung eines jeden Einzelnen. Der Film ist als außerordentlich kraftvolles und universelles Medium in der Lage, das Thema Menschenrechte und andere wichtige globale Fragen zu veranschaulichen, die sonst oft als zu abstrakt empfunden werden.
Perspektive stellt deshalb Filme in den Mittelpunkt, die zur Überprüfung eigener Positionen und zur Wahrnehmung mitmenschlicher Verantwortung beitragen. Sie reflektieren die Vergangenheit, informieren über die Gegenwart, machen Probleme sichtbar, werfen Fragen auf und legen Zeugnis von sozialen und politischen Entwicklungen ab. Die Filme verbinden eine hohe künstlerische Qualität mit einem Engagement für den Menschen ohne ideologischen Überbau.
Perspektive
- verbildlicht die Werte, auf die sich die Demokratie gründet
- informiert über die Lage der Menschenrechte im In- und Ausland
- hinterfragt politische, ökonomische und kulturelle Ursachen von Menschenrechtsverletzungen
- leistet menschenrechtsbezogene Bildungsarbeit
- trägt zu einer aufgeklärten Öffentlichkeit in Deutschland bei
- arbeitet international und tauscht sich mit anderen vergleichbaren Einrichtungen im Ausland aus
- macht Menschenrechte populär und trägt zu einer toleranteren Gesellschaft bei, die kulturelle, ethnische und andere Unterschiede als Bereicherung versteht
Das Hauptprogramm, das „Internationale Forum“, wirft einen Blick auf gegenwärtige Tendenzen und Entwicklungen in den Kulturen der Welt. Die ausgewählten Filme berichten, unter welchen Bedingungen die Menschen im angehenden 21. Jahrhundert leben. Etwa zehn Filme nehmen teil am internationalen Wettbewerb um den „Nürnberger Filmpreis der Menschenrechte“. Sie werden von einem Auswahlkomitee bestimmt, das sich aus dem Team des Festivals rekrutiert.
Des Weiteren gibt es begleitende Reihen, die das Werk eines bekannten Regisseurs vorstellen, einen aktuellen thematischen Bereich vertiefen oder über die Situation in einem ausgewählten Land informieren.
Der unterschiedliche filmische Umgang mit den Themen öffnet das Festival für Filme jeder Art: Der Dokumentarfilm nimmt dabei den größten Raum ein, ebenso vertreten in den Programmen sind aber auch Spiel- und Animationsfilme. Neben neuesten Produktionen aus aller Welt und Vorpremieren von demnächst im Kino anlaufenden Filmen präsentiert das Festival auch filmgeschichtlich bedeutsame Werke.
Dem Medium Film kommt eine Vorbildfunktion zu. Über die Geschichten, die die ausgewählten Filme erzählen, werden gerade junge Menschen zur Auseinandersetzung mit den Menschenrechten, der Menschenwürde und fremden Kulturen angeregt.
Perspektive weckt Offenheit, sensibilisiert für die Situation von Minderheiten und will so einer unterschwelligen Verherrlichung von Gewalt, die in unseren Massenmedien erschreckend präsent ist, entgegentreten. Es vermittelt der jungen Generation Wertvorstellungen und Sichtweisen von der Welt und dient zukunftsorientiert einem gelebten toleranten Miteinander. Neben dem normalen Festivalbetrieb bietet Perspektive deshalb speziell für Jugendliche die folgenden Schwerpunkte an:
Schulvorstellungen richten sich gezielt an Jugendliche, um Orientierung und Einblicke zu bieten. Die Festivalvormittage bieten Vorstellungen mit jeweils einer Einführung in das Thema und einem Diskussionsangebot für die Schulklassen der Mittel- und Oberstufe. In nur einer Woche verfolgen so im Durchschnitt 1500 Schülerinnen und Schüler das Programm.
Darauf aufbauend entwickelt Perspektive mit seinen Kollegen vom Prager One World Film Festival ein gemeinsames Schulprojekt, das das Thema Menschenrechte länderübergreifend in die Schulen in Tschechien und Deutschland bringen soll. In diesem Rahmen werden Filme zum Thema auf den beiden Festivals präsentiert sowie interessierten Schulen zur Verfügung gestellt. Weitere Länder sollen in Zukunft in das Projekt einbezogen werden.
Unabhängig von der Größe der Produktion und ihrer Beachtung in der Öffentlichkeit will Perspektive seinen Beitrag dazu leisten, Filme zu fördern, die formale Qualität mit humanem Denken und sozialem Engagement verbinden. Der Nürnberger Filmpreis der Menschenrechte soll neben seinem symbolischen Wert mit dem Preisgeld in Höhe von 2.500.- Euro dazu beitragen, dass weiterhin solche Filme entstehen. Wir wollen Filmschaffende ermutigen, weiter zu erzählen, und das Publikum bewegen, seine Augen nicht zu verschließen. Der Preis wird von einer internationalen Jury an einen Film verliehen, der auf besondere Art und Weise dem Gedanken des Festivals gerecht wird.
Für das Festival zählt der einzelne Film nicht nur als Ware der Industrie, hergestellt zum Zwecke der Unterhaltung und der Erwirtschaftung von Profiten, sondern als künstlerisches Produkt und als Teil eines Prozesses von Kommunikation.
Perspektive erlaubt die Darstellung des Raumes auf einer ebenen Fläche mit räumlicher Wirkung. Im Film drückt sie die Stellung der Kamera zur aufgenommen Szene aus. perspectiva ars bezeichnet die hindurchblickende Kunst. Wir assoziieren: Transparenz, über etwas hinausweisendes. Unsere Perspektive sind die Menschenrechte und die grundlegenden Werte, die unsere offenen, demokratischen und verantwortlichen Gesellschaften ausmachen. Unsere Perspektive vereint inhaltliche Sichtweise und technische Einstellung.
Das Künstlerhaus mit Filmhaus und Kulturzentrum K4 ist das zentral in der Stadt gelegene Festivalzentrum. Es bietet ideale räumliche und infrastrukturelle Voraussetzungen mit drei Vorführsälen, Gäste- und Presseservice, einer Videothek mit über über 2000 Titeln zum Thema, zwei Ausstellungsflächen und Seminarräumen.
Ein weiterer Spielort ist das Multiplexkino CineCittà, das Vorpremieren aktueller populärer Menschenrechtsfilme zeigt.
Der Name Nürnbergs ist untrennbar verbunden mit der besonderen Rolle, die die Stadt während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft inne hatte. Nürnberg war die „Stadt der Reichsparteitage“, hier wurden die menschenverachtenden Rassengesetze verkündet, die die jüdische Bevölkerung ihrer staatsbürgerlichen Rechte beraubten und den Weg in den Holocaust ebneten. Nürnberg war aber auch Schauplatz des Internationalen Militärgerichtshofs und steht damit symbolhaft für die Ahndung der NS-Verbrechen durch die alliierten Siegermächte.
Nürnbergs Geschichte im 20. Jahrhundert ist Auftrag für eine Selbstverpflichtung, die über die Beschäftigung mit den historischen Fakten hinausreichen und Signale in die Zukunft setzen muss. Die Stadt Nürnberg engagiert sich deshalb besonders in der Friedens- und Menschenrechtserziehung. Die Straße der Menschenrechte, die Verleihung des Internationalen Nürnberger Menschenrechtspreises und andere Veranstaltungen künden vom Willen der Stadt, für Frieden, Versöhnung und Achtung der Menschenrechte einzutreten. Am 8. Dezember 2000 erhielt die Stadt Nürnberg dafür den UNESCO-Preis für Menschenrechtserziehung. Nürnberg ist darüber hinaus Mitglied des Netzwerks „Europäische Konferenz Städte für die Menschenrechte“ und an der Ausarbeitung der „Europäischen Charta für den Schutz der Menschenrechte in der Stadt“ beteiligt.
Perspektive bringt wichtige Bausteine ein, um die Stadt Nürnberg weiter auf ihrem Weg hin zur „Stadt des Friedens und der Menschenrechte“ zu unterstützen. So hob beispielsweise die UNESCO in ihrer Würdigung für Nürnberg als Empfängerin des UNESCO-Preises für Menschenrechtserziehung das Filmfestival besonders hervor.
Als besonders dialogfördernd und bereichernd erweist sich die Verbindung des Filmfestivals zum Menschenrechtsbüro der Stadt Nürnberg. Am 27. September 2009 verleiht die Stadt Nürnberg den 8. Internationalen Nürnberger Menschenrechtspreis an Abdolfattah Soltani, der sich mit bewundernswertem Mut und unter hohem persönlichen Risiko für die Anerkennung der Menschenrechte in der „Islamischen Republik Iran“ einsetzt. Aus diesem Anlass sind bereits viele Menschen in der Stadt, die sich aktiv mit dem Thema Menschenrechte auseinandersetzen. Nürnberg kann so zu einem Ort werden, an dem das Nachdenken über notwendige Veränderungen vorankommt: Ein Ort der Begegnung und der Debatte.
Perspektive ist ein unabhängiges Festival. Es wird von dem gemeinnützigen Verein Internationale Filmtage der Menschenrechte e.V. in enger Zusammenarbeit mit der Stadt Nürnberg konzipiert und unter anderem mit den folgenden Kooperations- und Programmpartnern ausgerichtet:
- Stadt Nürnberg:
Bürgermeisteramt/Menschenrechtsbüro
Kulturreferat
Schulreferat
Amt für Kultur und Freizeit
Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände
Jugendzentrum für Kulturelle und Politische Bildung
Interkulturbüro
- Kulturzentrum K4
- Filmhaus Nürnberg
- amnesty international
- Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland
- Auswärtiges Amt
- Europäisches Netzwerk gegen Rassismus (ENAR)
- Informations- und Dokumentationszentrum für Antirassismusarbeit e.V. (IDA)
- Medienwerkstatt Franken
- Handicap International
- Medienzentrum Parabol
- Terre des Femmes
- medico international
In den vergangenen Jahren wurden ca. 1.600 Filme aus aller Welt beim Festival eingereicht. Perspektive präsentierte 273 Filme im Programm, davon 42 im Wettbewerb um den Nürnberger Filmpreis der Menschenrechte.
13.500 Zuschauer verfolgten die Vorstellungen sowie insgesamt 140 Publikumsgespräche und Diskussionen, an denen sich rund 170 nationale und internationale Gäste beteiligten. Fotoausstellungen international renommierter Fotografen, zum Beispiel des mehrmaligen World Press Photo Award Trägers Stanley Greene, rundeten die Veranstaltungen ab.
Perspektive ist Mitglied der European Coordination of Film Festivals (ECFF), dem weltgrößten Verband seiner Art, dem über 200 kulturelle Filmfestivals in Europa angehören. Perspektive ist darüber hinaus Gründungsmitglied des Human Rights Film Network (HRFN), einem internationalen Festivalverbund von bisher 25 Filmfestivals zum Thema Menschenrechte aus 21 Ländern.
Perspektive wird von einem prominent besetzten Kuratorium unterstützt:
- Doris Dörrie, Regisseurin und Autorin
- Erika Gregor, Internationales Forum des Jungen Films der Berliner Filmfestspiele 1971 bis 2001
- Ulrich Gregor, Filmhistoriker, Internationales Forum des Jungen Films der Berliner Filmfestspiele 1971 bis 2001
- Peter Nestler, Regisseur
- Volker Schlöndorff, Regisseur
- Klaus Wildenhahn, Regisseur
Ich finde, wichtig bei solch einem Festival ist das Gemeinschaftserlebnis. Es ist einfach etwas anderes, wenn Millionen von Zuschauern Daheim alleine für sich etwas im Fernsehen anschauen. Hier kann man zusammen mit anderen etwas sehen und anschließend darüber diskutieren. Man muss sich mit dem Thema auseinandersetzen. Immer nur Fernsehen führt zur Verstopfung: Da kriegt man immer was rein und kann nichts raus lassen.
(Volker Schlöndorff, Regisseur)
Während sich die Fungesellschaft um sich selbst dreht, ist die Frage der Menschenrechte in anderen Teilen der Welt eine Frage, die über Leben und Tod, über Teilnahme an der Gesellschaft oder den Ausschluss aus derselben entscheidet. Und auch bei uns ist die Frage der Menschenrechte keine, die vergangenen Zeiten angehört, erinnert sei an die Lage der Flüchtlinge in unserem Land, an Schubhaft und Abschiebung in eine ungewisse bis todbringende Zukunft. Um so größer ist das Verdienst der Veranstalter, den Mut zu haben, die 1. Internationalen Filmtage der Menschenrechte auf die Beine zu stellen, Filme zu zeigen, die keine Blockbuster sind und nie sein werden.
(Die Jury 1999 (Wolfhard Gallhoff, Ullabritt Horn, Gabriele Müller, Bertoldt Kremmler und Klaus Wildenhahn))
Es ist für mich eine besondere Freude und Ehre, die Schirmherrschaft eines Filmfestivals übernehmen zu dürfen, das sich dem Thema Menschenrechte widmet. Es ist notwendig, die Welt um uns herum einmal aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Das Medium Film hilft uns dabei, sich ein Bild zu machen, unter welchen Bedingungen Menschen in anderen Ländern leben. Unsere Aufgabe ist es, die Augen zu öffnen und etwas zu verändern. Mein besonderes Anliegen gilt hier vor allem den Kindern dieser Welt.
(Katja Riemann, Schauspielerin)
Dieses Festival ist deshalb so wichtig, weil es aufmerksam macht auf Menschenrechtsverletzungen der unterschiedlichsten Art. Weil es Mut macht, zu widerstehen und Hilfe zu leisten. Weil es Hoffnung macht und zeigt, dass es möglich ist, in Würde – so wie es unsere Verfassung will – zu leben. Weil es auffordert, sich mit der Geschichte des eigenen Volkes auseinander zusetzen. Gerade aus letzterem Grund ist es gut und richtig, dass dieses Festival hier in Nürnberg stattfindet.
(Renate Schmidt, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend)
Die Internationalen Filmtage der Menschenrechte gehören zu den wenigen Ereignissen auf dem Gebiet des Films, die ein dezidiertes Zeichen in Richtung Engagement setzen. Dafür verdienen sie Ermutigung und jede mögliche Unterstützung. Sie haben die Chance, durch ihre Programmauswahl deutlich zu machen, dass sich ein zeitkritischer Inhalt durchaus mit einer überzeugenden und modernen filmischen Form vereinen lässt und dass solche Filme, die die aktuelle Thematik mit der adäquaten Form verbinden und dabei die ästhetischen Möglichkeiten des Mediums nutzen, die besten, wichtigsten und schönsten sind, die es in unserer filmischen Landschaft überhaupt geben kann.
(Prof. h. c. Ulrich Gregor, Filmhistoriker und Leiter des „Internationalen Forums des Jungen Films" der Berliner Filmfestspiele (1971 bis 2001))
Jeder Regisseur trägt Verantwortung und hat insgeheim die Hoffnung, ein wenig die Welt verändern zu können. Denn die befindet sich nicht in einem Status quo, sondern ist ständigem Wechsel unterworfen. Jeder Film kann eine Winzigkeit verändern, im Guten wie im Schlechten. Filme be- und entkräftigen Vorurteile, vermitteln konservative oder moderne Rollenbilder. Das zeigt langfristig Wirkung. Warum sonst legen Diktatoren so viel Wert auf Film als Propagandamittel? (Lukas Moodysson (Regisseur))