Sonderreihe Iran / Special Screenings on Iran

Green Days

Green Days
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Green Days

Es gibt Filme, bei denen überwältigt der Inhalt alles andere. Es gibt auch Filme, die sieht man im Kino und spürt, wie die eigenen Gefühle den Eindruck dominieren, wie man sich als Zuschauer den Emotionen derjenigen annähert, die die Filme gemacht haben. "Green Days" von der erst 21-jährigen Regisseurin Hana Makhmalbaf ist so ein Film.

Es beginnt mit einem fast völlig schwarzen Bild. Das Unsichtbare, das Nichts. Im Hintergrund der Ruf des Muezzins. Eine weibliche Stimme sagt auf Farsi: "The Sound of Allahu Akhbar is louder than ever. I am trembling. Is god trembling as well?"
Und wenn Gott tatsächlich zittern sollte, zittert er dann vor Angst oder vor Wut?

Makhmalbaf, das jüngste von drei Kindern des renommierten iranischen Regisseurs Mohsen Makhmalbaf, der seit Jahren im Pariser Exil lebt, hat ihren Film, ein Dokuessay, der Reportage mit Spielszenen mischt, kurz vor den iranischen Präsidentschaftswahlen begonnen. Sie konnte also nicht wissen, was passieren würde.

Gerade in dieser Ungewißheit, die in vielen Aufnahmen spürbar ist, kommt der Film aber zu sich selbst - und damit auch das Kino. "Green Days" ist somit ein gar nicht so häufiges Dokument für die vielleicht größte Qualität des Kinos: Sein Vermögen, zu zeigen, was ist. Der Film lebt von seiner Spontaneität, vom Zeigen des reinen Augenblicks, auch in seiner flirrenden Offenheit.

So sieht man hier eine Wahlkampfveranstaltung des späteren Wahlsiegers Mussawi, in der die vorrevolutionäre Stimmung schon spürbar ist. Alles in Grün. "Election Day will be our Day of Freedom." sagt Khatami. "To vote is our culture!" skandiert die Masse. So hört man Diskussionen von Anhängern beider Hauptkandidaten zu. Auch Ahmadinedschad-Anhänger kommen zu Wort. "People need a dictator" sagen sie. Die anderen: "Der verarscht die Analphabeten." "Wo sind die Lehrer, die er uns versprochen hat?" Die Lehrer fehlen auch bei uns.
Man sieht viel Begeisterung, schöne Frechheit: "Go to sleep nuclear dictator!" Und viel Frust und Indifferenz. Ein Soldat berichtet, wie ihr Kommandeur sie zwingt, für Ahmadinedschad zu stimmen.

Dann der Einbruch der Gewalt. Zehn Polizisten dreschen mit Knüppeln auf einen Mann ein. Blut, Schüsse, Neda. Schwer vorstellbare Zustände.
Ein wenig sieht man noch von der Manipulation und der gewaltsamen Unterdrückung der Proteste. Makhmalbaf mischt eigene Bilder mit denen von zahllosen Handkameras. Aber "Green Days" ist mehr eine Zustandsbeschreibung. "It was not a political defeat. It was an emotional defeat!"
Der Film ist ein Zeugnis ohnmächtiger Wut, ist alles, was Kino auch sein kann, auch ist, auch sein muss. Somit das ganz großartige, ungemein spannende Dokument eines historischen Moments, aber auch der Wut und der Trauer der Iraner.

Zugleich überwiegt alles am Ende noch ein zweiter Eindruck: Wir wissen nichts vom Iran, wie es da wirklich zugeht, aussieht. Wir wissen nichts. (Rüdiger Suchsland, filmzentralen-blog)

The film tells the story of a depressed Iranian girl who tries to find hope in the June 2009 elections.
Wild Bunch’s Vincent Maraval says the film highlights “the plight of women in Iran and the political impasse in which the population finds itself followed by the birth of an incredible hope surrounding the campaign of Mir Hossein Moussavi and ultimately anger and repression following the election”.
Makhmalbaf, who made her Venice debut in 2003 aged just 15 years old, shot the film clandestinely and was able to bring together “unique testimony” about the recent events in Iran, Maraval added. The film includes never before seen footage shot on the streets of Tehran. (screendaily.com)

Hana Makhmalbaf

Hana Makhmalbaf wurde 1988 in Teheran geboren. Im Alter von acht Jahren drehte sie ihren ersten Kurzfilm The Day My Aunt Was Ill, für welchen sie bei den Filmfestspielen in Locarno international Aufmerksamkeit erhielt. Mit ihrem ersten Dokumentarfilm Joy of Madness hatte die damals 14-jährige ihre Premiere auf dem Filmfestival in Venedig und wurde dafür drei mal ausgezeichnet. Im gleichen Jahr veröffentlichte sie erstes Buch Visa For a Moment und drehte vier Jahre später ihren ersten Spielfilm Buddha Collapsed Out of Shame, der ebenfalls während der perspektive zu sehen ist.

Hana Makhmalbaf was born 1988 in Tehran. At the age of 8, she made her first short film The Day My Aunt Was Ill and received international attention at the Locarno Film Festival for it. Her first documentary Joy of Madness was premiered at the Venice Film Festival 2003, where the 14 years old girl received three international awards. In the same year Hana Makhmalbaf published her first book Visa For a Moment and directed four years later her first feature film Buddha Collapsed Out of Shame, which is shown as part of the competition during perspektive.

Filmographie

The Day My Aunt Was Ill (1997), Joy of Madness (2003), Buddha Collapsed Out of Shame (2007), Green Days (2009)

Vorstellungen

11. Oktober 09 19:30 Uhr, Festsaal
Green Days

Iran 2009
Regie: Hana Makhmalbaf
72 min, digiBeta
OmeU

Drehbuch: Hana Makhmalbaf
Kamera: Mohammad Yazdi
Schnitt : Babak Karimi
Musik: Azad Aslani , Arman Aslani

Darsteller:
Ava, Nazanin, Niloufar, Rezvaneh, Marziyeh, Maryam, Asghar, Behjat


http://www.makhmalbaf.com/movies.php?m=72

Internationaler Vertrieb: Wild Bunch Distribution
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